LEBENDSAMMLUNG KL


Der Botanische Garten Klagenfurt

Die Ursprünge des Botanischen Gartens in Klagenfurt lassen sich bis Ende des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen, als der Bürgerspitalsfriedhof aufgelöst wurde und an dieser Stelle eine Grünfläche entstand. 1862 erging schließlich der offizielle Auftrag an das Naturhistorische Landesmuseum, dort einen botanischen Garten zu errichten. Dieser Garten wurde rasch verwirklicht und befand sich an der Stelle der Gebäude der heutigen Mießtaler Straße 1–3. Als Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg Teile des Gartens sowie umliegende Gebäude zerstörten und die Fläche nach dem Krieg für die Errichtung eines Verwaltungsgebäudes der Landesregierung benötigt wurde, verlegte man den Garten 1958 in den historischen Steinbruch am Kreuzbergl. Das Steinbruchgelände erwies sich als ideal für die Anlage eines Gartens. Es hat durch seine Kesselform und die steilen Felswände eine große Zahl unterschiedlicher Lebensräume, attraktive Sichtachsen durch den Garten, und in höher gelegenen Bereichen bietet es einen wunderbaren Blick auf die Stadt.

Heimische Kostbarkeiten und Pflanzen aus unterschiedlichsten Erdteilen sind in geografischen Quartieren gruppiert und bieten interessante Einblicke in die Diversität der Pflanzenwelt. Neue Wege beschritt man mit der Anlage eines Bauerngartens unter Einbeziehung von Blindentafeln, der mehrsprachigen Beschriftung von Pflanzen sowie mit Sammlungsschwerpunkten, die mit anderen Gärten in Europa abgestimmt sind. Ein differenziertes Vermittlungsangebot für alle Alters- und Bildungsstufen wird gerne angenommen und auch Wege zur Erschließung des Botanischen Gartens mittels Lyrik finden regen Zuspruch.

Der Sammlungsbestand lebender Pflanzen umfasst mehr als 3000 unterschiedliche Sippen. Er gibt einen Einblick in die Kärntner Pflanzenwelt und deren Beziehungen zu anderen Floren und er bewahrt gefährdete Pflanzenarten (international) in Form von Erhaltungskulturen. Hauptaugenmerk liegt dabei auf Feuchtbiotopen, Pflanzen aus Trockengebieten, Alpenpflanzen und Wuchsformen alpiner Pflanzen im internationalen Kontext, Nutz-, Heil- und Giftpflanzen, Anschauungsmaterial für Vorträge und Führungen sowie Forschungsmaterial. Saatgut für den Sammlungserhalt wird selbst gesammelt oder von anderen botanischen Gärten eingetauscht. Alljährlich werden um die 3000 Samenproben von Klagenfurt an Tauschpartner in aller Welt verschickt.

Forschungsschwerpunkte konzentrieren sich auf Arterhaltungsprojekte, Wiederaussiedelung von bedrohten Sippen in Kärnten, Morphologie der Höheren Pflanzen und die Problematik invasiver Neophyten.

Der Garten ist Mitglied des International Plant Exchange Networks, der Arbeitsgruppe Österreichischer Botanischer Gärten sowie Botanic Gardens Conservation International und wurde 2010 mit der Partnerplakette der Österreichischen Gartenbaugesellschaft und 2015 mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet.