Ur- und frühgeschichte

AUF DEN FRÜHEN SPUREN DES MENSCHEN IN KÄRNTEN

Die Abteilung für Ur- und Frühgeschichte beschäftigt sich mit der ältesten Geschichte des Menschen in Kärnten. Der Blick richtet sich dabei zum einen auf den Zeitraum zwischen rund 40.000 v. Chr. (Neandertaler) und der Eroberung des Alpenraumes durch die Römer 16/15 v. Chr. (Urgeschichte) sowie zum anderen auf die Zeit zwischen der Herrschaft der Franken (536/537) und der Einrichtung des Herzogtums Kärnten im Jahre 976 (Frühgeschichte bzw. Frühmittelalter).

Die Sammlungen enthalten unterschiedlichste Objekte von der Steinzeit über die Kupferzeit und Bronzezeit bis zur Eisenzeit sowie aus dem Frühmittelalter. Tongeschirr in vielfältigen Formen ist ebenso zu nennen wie Schmuck, Waffen oder Gerätschaften, die technische Entwicklungen wie auch den Wandel der Formen und Kulturen widerspiegeln. Außerdem umfasst die Sammlung mehrere Einbäume. Unter den urgeschichtlichen Funden kommt den Bleifiguren aus dem Gräberfeld von Frög bei Rosegg (7./6. Jahrhundert v. Chr.) sowie dem keltischen Waffenweihefund vom Förker Laas-Riegel bei Nötsch im Gailtal eine ebenso herausragende wie überregionale Bedeutung zu. Für das Frühmittelalter sind slawisch-karantanische Waffengräber, mit Flechtbändern verzierte Werksteine aus der karolingischen Kirche von St. Peter bei Moosburg sowie der Kärntner Fürstenstein hervorzuheben.

Fundstücke von steinzeitlichen Jägern liegen aus der Tropfsteinhöhle in Griffen (Neandertaler) sowie von der Waidegger Alm in den Karnischen Alpen (ca. 8.000 v. Chr.) vor. Unter den frühen bäuerlichen Siedlungen ragt der Pfahlbau im Keutschacher See (um 4000 v. Chr.) hervor, der 2011 in das UNESCO-Welterbe für Kultur aufgenommen wurde. Zum Kupferbergbau der Bronzezeit, der für die Oberschicht Wohlstand und weitreichende Kulturkontakte mit sich brachte, weiß man noch wenig. Das gilt auch für die vorrömerzeitliche Nutzung der Eisen-, Blei- und Goldlagerstätten in Kärnten.

Friedhöfe mit Grabhügeln aus der älteren Eisenzeit (Hallstattkultur), wie jener in Frög bei Rosegg oder jene bei Mittertrixen nördlich von Völkermarkt (Führholz und Waisenberg), machen die neue Elite über deren Tod hinaus bis heute sichtbar. Hinter den Großgrabhügeln von Waisenberg verbergen sich Gräber „norischer Könige“. Aus der mittleren Eisenzeit (Späthallstattkultur) stammen die ältesten Inschriften und Bildgeschichten (Situlenkunst), Zeugnisse enger kultureller Kontakte nach Italien. Zur Keltenzeit, die im Südostalpenraum erst um 300 v. Chr. begann, befand sich auf der Gracarca am Klopeiner See ein bedeutender Herrschaftsort, möglicherweise das vielgesuchte Noreia. Damals fand das Münzwesen im Kärntner Raum Eingang. Die Eroberung des Alpenraumes durch die Römer 16/15 v. Chr. brachte einen tiefgreifenden kulturellen Wandel und eine wirtschaftliche Blütezeit mit sich.

Mit der kurzen fränkischen Herrschaft in Norikum (536/537–565), die sich archäologisch in wenigen Spuren – etwa in der Hauptstadt Teurnia (St. Peter in Holz bei Spittal/Drau) – abzeichnet, wurde der Ostalpenraum von einer nordöstlichen Randzone Italiens zu einer südöstlichen Randzone des Frankenreiches, jeweils hin zum Donauraum. Im Zuge der Eroberung Italiens durch die Langobarden wurde der Ostalpenraum im Jahre 568 herrenlos.

Unter awarischer Führung drangen in den 580er Jahren Slawen in den Ostalpenraum vor. Von den Awaren unabhängig geworden (626) errichteten sie einen eigenen Staat, das Fürstentum Karantanien. Der Name Kärntens führt sich auf Karantanien zurück und meint so viel wie „Slawenland im Gebirge“. Unter bairische Herrschaft geraten und christianisiert wurde das slawische Fürstentum 817 in eine Grafschaft umgewandelt, militärisch durch Wehrbauern mit Sonderrechten (Edlinger) gesichert. Darin wurzelt das Ritual am Kärntner Fürstenstein, ein Initiationsritual und kein Inthronisationsritual. Mit Siedlern aus dem bairischen Raum wurde nunmehr der Grundstein zur Entstehung der mittelalterlichen Dörfer wie auch für die Zweisprachigkeit Kärntens gelegt.


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ABTEILUNG

UR- UND FRÜHGESCHICHTE

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