Ö1 Museumssommer

zu Gast im Kärntner Botanikzentrum

Das Objekt der Begierde: Das Algenherbar von Maximillian Freiherr von Sterneck zu Ehrenstein

Das Objekt der Begierde im Botanikzentrum in Klagenfurt wählt Roland Eberwein aus. Mit weißen Handschuhen hebt der Pflanzenmorphologe ein Buch aus seiner schützenden Archivhülle: „Das ist ein Dilettantenherbar, hochinteressant, in Buchform gebunden,“ erklärt Eberwein, „es handelt sich um das Algenherbar von Maximillian Freiherr von Sterneck zu Ehrenstein.“

Der Klagenfurter Max Sterneck legte eine steile Karriere in der k&k Kriegsmarine hin, der Höhepunkt war die Seeschlacht von Lissa, die ihn berühmt machte. Stationiert war Sterneck an der oberen Adria, in Pula. „Zwischen 1855 und 1863 hatte Sterneck viel Freizeit, so kam er auf die Idee, sich ein Algenherbar anzulegen“, erzählt Roland Eberwein, „das war durchaus üblich in dieser Zeit, in der man mehr Muße hatte, sich mit Pflanzen zu beschäftigen.“

Meeresalgen galten als apart und wirkten exotisch. Sie wurden nicht nur aus wissenschaftlichem Interesse gesammelt, sondern auch für Visitenkarten, Einladungskarten und als Hobby. Einige Algen, vor allem Rotalgen, sondern in ihren Zellen Schleime ab, Zuckerpolysaccharide, die klebrig sind. Wenn man solche Algen im Meerwasser mit einem dickeren Papier unterfängt und sie heraushebt, bleiben sie beim Trocknen auf dem Papier kleben. Die Algen leimen sich also selbst auf das Papier.

Das Sterneck Algenherbar enthält viele kleine Kärtchen, die präzise ausgefertigt sind. Sie haben einen wissenschaftlichen Hintergrund, denn es finden sich auch Vermerke über Sammler und Wissenschaftler aus Kroatien, die die Algen bestimmt und bearbeitet haben. Die Algen-Kärtchen wurden auch getauscht, in der Art eines Panini-Albums, so konnten die Herbarien wechselweise ergänzt werden.

Die ältesten der rund einer Viertelmillion Belegen im Kärntner Landesherbar stammen aus dem Jahr 1752. Die Sammlung ist nicht nur aus wissenschaftlicher sondern auch aus wissenschaftshistorischer und gesellschaftlicher Sicht spannend.

Gestaltung: Christina Höfferer

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