Wacholder

Beliebtes Gewürz und Heilpflanze

Wacholder ist eine alte Heilpflanze, wird aber auch als Küchengewürz sowie zur Ginherstellung verwendet. Die Wacholderbeeren werden gerade reif und können geerntet werden. In Kärnten wachsen zwei verschiedene Arten, der gewöhnliche Wacholder und der Giftwacholder.

Das Faszinierende beim Wacholder ist, dass auf einem Strauch Beeren mit zwei verschiedenen Reifegraden wachsen, sagte Botaniker Felix Schlatti vom Kärntner Landesmuseum: „Der Wacholder blüht im Mai. Die Samen reifen dann in diesen Wacholderbeeren in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren. Weshalb man jetzt im Herbst unreife und reife Beeren findet. Diese unterscheiden sich deutlich von der Konsistenz und dem Geschmack.“

Eigentlich keine Beeren
Eigentlich sind Wacholderbeeren keine Beeren, sondern Zapfen, so wie man sie beispielsweise auf Föhren findet. Man sagt jedoch trotzdem Wacholderbeere: „Weil die Samen des Wacholders in einer fleischigen Hülle versteckt sind. Diese fleischige Hülle ist zur Blütezeit noch nicht ausgebildet, sondern da sind die Samen noch nackt und werden erst dann im Zuge der Reife von den Fruchtblättern umhüllt. Weshalb man nicht von einer Frucht im eigentlichen Sinne spricht sondern von Samen, die nur eine fleischige Hülle haben. Die Beere wäre ja eine Frucht. In diesem Fall spricht man von Beerenzapfen.“

Die unreifen Wacholderbeeren sind klein, grün und hart. Die reifen Beeren schmecken herb-süßlich und werden vielleicht aus diesem Grund heutzutage beim Sauerkraut weggelassen: „Traditionell gehören sie hinein. Man verwendet sie auch sehr häufig für Wildbretbraten oder auch zum Räuchern. es gibt verschiedene Einsatzgebiete dieser Wacholderbeeren.“

Wacholder gilt auch als Heilpflanze
Der Wacholder ist nicht nur eine Gewürzpflanze, sondern auch eine klassische Heilpflanze, sagte der Botaniker: „Vor allem im Mittelalter, aber auch in den späteren Jahrhunderten, ist sie ganz wichtig gewesen. Früher ist bei fast jedem Bauernhof ein Wacholderstrauch gestanden. Auch, um seine Beerenzapfen wegen ihrer Heilwirkung nutzen zu können. Sie wirken auf den Magen, auf das Verdauungssystem und fördern allgemein den Appetit.“

Die Wacholderpflanze hat noch eine ganz andere Besonderheit. Die Artenzahl ist für ein Nadelgehölz außergewöhnlich groß, weltweit gibt es 60 verschiedene Wacholder-Sorten. In Kärnten wachsen zwei verschiedene Arten, der Gewöhnliche Wacholder und der Giftwacholder. Der Gewöhnliche Wacholder kommt in Kärnten sehr häufig vor: „Der gewöhnliche Wacholder hat von allen Nadelgehölz-Arten auf der Welt das größte Verbreitungsgebiet und ist eines der wenigen Gehölze, die ich kenne, die sich in Nordamerika und auch in Eurasien ausgebreitet haben. In Österreich kommt der Wacholder in tiefen Lagen bis über die Waldgrenze hinauf vor.“

In Kärnten gibt es zwei Arten
Der gewöhnliche Wacholder ist in seiner Wuchsart äußerst variabel. An der Waldgrenze ist er ein kriechender Zwergstrauch, der nicht viel höher wird als die krautigen Pflanzen, die ihn umgeben. In Tallagen hingegen kann er ein fünf Meter hoher Strauch werden, oder sogar ein Baum. Diese Pflanzen können auch sehr alt werden. Bis vor 20 Jahren stand in der Gemeinde Globasnitz ein solcher sehr alter und außergewöhnlich großer Wacholder-Baum: „Der einen Stamm- Durchmesser von 70 Zentimeter hatte und 15 Meter hoch war, der war etwa 350 Jahre alt. Dieser gewaltige Wacholderbaum war meinen Recherchen nach wohl der größte in Österreich, ist aber leider einem Sturm zum Opfer gefallen.“

Der gewöhnliche Wacholder, der strauchförmig wächst, kommt in Kärnten sehr häufig vor, vor allem in Gebirgslagen. Der Baum hingegen kommt wesentlich seltener vor, ist jedoch punktuell in manchen Gebieten sehr häufig zu finden: „Zum Beispiel entlang der Karawanken-Bäche im Rosental, beim Waidischbach oder beim Loiblbach. Außerdem kommt er auch in den Felswänden in den Karawanken vor und manchmal auch in Bergwäldern zum Beispiel am Südhang des Hochobirs.“

Vorsicht vor Giftwacholder
Der Giftwacholder wächst im Alpenraum wesentlich seltener als der Gewöhnliche Wacholder und sieht ähnlich aus wie die alpine Form des Gewöhnlichen Wacholders. Wie der Name schon sagt, sind jedoch alle Pflanzenteile giftig. Vorsicht bei den Beeren, sie schauen nämlich ähnlich aus wie die des gewöhnlichen Wacholders, so Felix Schlatti: „Man muss auf jeden Fall aufpassen, dass man nicht den Giftwacholder verwendet, um damit etwa ein Sauerkraut anzurichten. In der Natur findet man ihn kaum, aber er wird im Handel als Zierpflanze angeboten und ist daher durchaus in Gärten zu finden.“ Früher wurde der Wacholder in Kärnten auch Kranewetter oder Kranewet genannt.

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