Nebel-Gletscher

Kärnten zur letzten Eiszeit

Während der Großteil Kärntens mittlerweile seit 12 Tagen durchgehend unter einer dichten Nebeldecke liegt und die bunten Herbstfarben einem etwas tristen Grau in Grau gewichen sind, strahlt auf den Bergen die Sonne.

Knapp vor dem aktuellen Lockdown haben vergangenes Wochenende viele sonnenhungrige Kärnter*innen Ausblicke wie auf diesem Foto selbst genossen. Der Nebel aber verdeckt nicht nur, sondern gibt (mit etwas Fantasie) auch einen Blick in die Vergangenheit frei – Wir stellen uns einfach vor, statt des Nebels: Gletscher-Eis! Ungefähr so können wir uns Kärnten zur letzten Eiszeit vorstellen. Während der Würm-Eiszeit (benannt nach dem bayerischen Fluss „Würm“), die über einen Zeitraum von rund 100.000 Jahren andauerte und hierzulande ungefähr 10.000 v. Chr. ausklang, wurde Kärnten vom Draugletscher überzogen.

Das Gletscher-Modell „Kärnten zur Würmeiszeit, 1912, Maßstab 1:150.000“ aus der erdwissenschaftlichen Sammlung des Landesmuseums Kärnten zeigt die Ausdehnung des vergletscherten Kärntens. Es wurde 1912 vom Kärntner Reliefbauer Paul Gabriel Oberlercher (1859–1915) in Berlin angefertigt. In Oberlerchers Tagebuch finden wir eine kompakte Beschreibung Kärntens zur Eiszeit: „... mit ungeheuren Firnen und Eismassen bedeckt, die eine Dicke von 800 m bis 1.200 m aufwiesen, nur die Hochkämme mit ihren Kesseln waren frei oder nur zum Teil mit Firnmassen bedeckt. Zahlreiche Aufschlüsse in Schotterterrassen, Lehmlagern, Gletschergebieten in verschiedenen Höhenlagern schufen das allgemeine Umrißbild des riesigen Gletschers, dessen Zunge zwischen Mittagskogel und Golizza begann und sich hochgewölbt bis in die Gegend von Völkermarkt erstreckte. Die größte Breite (zwischen Singerberg und Sörg) betrug 27 km. Beim Magdalensberg begann die Teilung der mächtigen Zunge. Hier löste sich die Nordost-Zunge ab, die später eine weitere Teilung erfuhr. Auch Meer- und Savegletscher entsandten Gletscherzungen nach Kärnten. Das Lavanttal wies einen großen See auf (zwischen Wolfsberg und St. Paul).“