Lanzengitter Herzogstuhl

Start der Restaurierungsarbeiten

Für die Dauer von vier Monaten, von Mai bis August, verhüllt eine Bau-Schutzabdeckung die historischen, den Herzogstuhl umsäumenden, Lanzengitter. In den 1990er Jahren zuletzt instandgesetzt, muss die mittlerweile 187 Jahre alte Gitterkonstruktion nunmehr von Grund auf saniert werden.

„Der Herzogstuhl ist neben dem Fürstenstein das wichtigste Rechtsdenkmal Kärntens und untrennbar mit unserer Geschichte verbunden“, hebt Kulturreferent LH Peter Kaiser die Bedeutung dieses Zeremonienortes mit antiken Wurzeln hervor. Die Kosten für die Sanierungsarbeiten trägt das Land Kärnten, konkret die Abteilung 14 – Kunst und Kultur mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes. Die laufende Betreuung dieser historischen Stätte erfolgt gemeinsam vom Landesmuseum für Kärnten, der Gemeinde Maria Saal und dem Land Kärnten (Abteilung 9 – Straßen und Brücken). „Dieses herausragende Denkmal am Kärntner Zollfeld wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen ist das Ziel der Sanierungsarbeiten“, dankt Kaiser allen involvierten Partnern für ihr Engagement.

Die Arbeiten beschränken sich diesmal nicht mehr nur auf die Behebung oberflächlicher Beschädigungen. Sie umfassen auch die Erneuerung der Tragekonstruktion aus witterungsbeständigem Edelstahl. Konkret wird zunächst die Korrosion (und auch der alte Lack) im Sandstrahlverfahren entfernt, danach werden fehlende bzw. stark zerstörte Gitterteile (z. B. die Kugeln und einzelne Gitterstäbe) nachgeschmiedet und ersetzt und ein Ölanstrich aufgetragen. Es folgen abschließende Vergoldungsarbeiten und schließlich noch die Sanierung der Steinumfassung – die Gitterumrandung des Herzogstuhls ist eine kleine Großbaustelle. Die Baukosten von 79.750 Euro, getragen vom Land Kärnten und mit 10.000 Euro vom Bundesdenkmalamt gefördert, zeigen schon, dass es sich hier nicht um eine normale Einzäunung handelt. Bereits im Jahre ihrer Entstehung, also 1834, war sie mehr als bloß ein „Gitterzaun“ und von Beginn an dazu gedacht, den Kärntner Herzogstuhl als Denkmal deutlich wahrnehmbar zu machen. Auch die damaligen Baukosten haben zu Buche geschlagen: 3.811 Gulden und 9 Kreuzer entsprechen umgerechnet einem Betrag von rund 60.000 Euro.

Das Renovierungsprojekt umfasst neben den Arbeiten am Lanzengitter selbst auch die Erneuerung der (ebenso bereits historisch gewordenen) Beschriftungstafeln auf dem Gelände. Diese werden auf den neuesten Stand der Forschung gebracht, die alten Tafeln wandern als Zeitzeugnisse ins Depot des Landesmuseums Kärnten, das den Herzogstuhl als Standort wissenschaftlich und museal betreut. Alle 8 am Projekt beteiligten Firmen sind Unternehmen aus Kärnten.

Der Kärntner Herzogstuhl ist eines der bedeutendsten Rechtsdenkmäler Österreichs. Der aus römischen Spolien zusammengesetzte Doppelsitz wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts errichtet. (Die Spolien stammen aus der im Zollfeld mittlerweile versunkenen römischen Provinzhauptstadt Virunum.) Gemeinsam mit dem Fürstenstein in Karnburg begründete er Schauplatz und rechtliche Grundlage der Herzogeinsetzung in Kärnten. Der nach Westen ausgerichtete Sitz war dem Pfalzgrafen von Görz vorbehalten, der östliche Sitz dem Herzog von Kärnten. Der Herzogstuhl wurde urkundlich erstmalig 1161 als „sedes Karinthani ducatus“ erwähnt. Die letzte Erbhuldigung am Herzogstuhl fand im Jahr 1651 statt.

1834 wurde der mittlerweile sehr baufällige Herzogstuhl restauriert und gleichsam durch Schotterung des Umfeldes und eine Gitterumrandung als Denkmal neu errichtet. Betreiber dieser Erneuerung war vor allem Rudolf Graf Goëss. Die 104 Rundstangen, die das Lanzengitter der Umrandung bilden, stammen aus der Fabrik des Edlen von Rosthorn in Wolfsberg. Diese wurden vom Klagenfurter Schlossermeister Ignaz Gridl zu dem bestehenden Lanzengitter weiterverarbeitet. Am 26. Oktober 1834 wurde das neue Denkmal feierlich eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben.

Rückfragehinweis: Büro LH Kaiser
Redaktion: Hornböck/Stirn
Fotohinweis: Büro LH Kaiser

Land Kärnten News (2021-05-06)

Lanzengitter Herzogstuhl