Vom Entdecker der Wulfenia

Kärntens Blume, die Wulfenia, blüht gerade im Botanischen Garten in Klagenfurt. Entdeckt wurde sie von Franz Xaver Freiherr von Wulfen 1779 auf dem Gartnerkofel. Für Kärnten ist auch seine botanische Forschungsarbeit bedeutend, die erst 53 Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde.

„Wulfens Flora Norica Phanerogama“ heißt das umfassende Werk, das 1858 erschien und Kärntens Pflanzenwelt beschreibt. Franz Xaver Freiherr von Wulfen publizierte relativ langsam. Die Arbeit war in seinen Augen noch nicht fertig, als er starb.
Wie wertvoll diese Arbeit ist, erkennt man laut Roland Eberwein, dem Leiter der Abteilung Botanik am Kärntner Landesmuseum, dass sie auf Druck von anderen Wissenschaftlern hin 50 Jahre nach ihrem Entstehen publiziert wurde.

Wertvolle Dokumente bei Auktion ersteigert
Sie verfüge über sehr genaue Angaben. Sensationell ist auch, dass im Dezember 2019 wichtige – zunächst verschollen geglaubte – handschriftliche wissenschaftliche Aufzeichnungen, aber auch bedeutende Korrespondenzen im Dorotheum in Wien bei einer Versteigerung auftauchten: „Bei der Kontrolle dieser Handschriften stellte sich heraus, dass auch mehr als 60 originale Karteikarten und Arbeitsunterlagen Wulfens vorhanden sind. Wir haben diese für das Land Kärnten und das Landesmuseum zu ersteigert.“

Karteikarten liefern in Flora fehlende Informationen
Mit Freude stellte man in der Abteilung Botanik am Kärntner Landesmuseum fest, dass Informationen in den Karteikarten enthalten sind, die nicht in „Wulfens Flora Norica Phanerogama“ aufscheinen. Laut Eberwein zeige etwa die Karteikarte über die Calla palustris präzise Beschreibungen dieser Pflanze. Wulfen hatte sie am Ossiacher See gefunden. Es handle sich dabei um ein interessantes Detail am Rande, da er dieser Punkt in seiner Flora als fehlend angegeben sei. „Das heißt, diese Karteikarte muss vor der Verfertigung, 50 Jahre später, schon entfernt worden sein.“

Alte Aufzeichnungen noch heute aktuell
Spannend ist nicht nur, dass jetzt die Original-Karteikarte im Besitz des Kärntner Landesmuseums ist, sondern dass der Fundpunkt am Ossiacher See durchaus auch auf die heutige Zeit umgelegt werden könne, so Eberwein: „Diese Pflanze war damals eine Rarität und ist das auch heute noch. Sie steht unter strengem Naturschutz und kommt unter dem Namen calla palustris an dieser Stelle, im Bleistätter Moor, immer noch vor.“ Historische Unterlagen aus der Zeit um 1780 haben also noch heute Aktualität.
Man nimmt an, dass diese Karteikarten aussortiert wurden, weil sie für „Wulfens Flora Norica Phanerogama“ nicht relevant waren. Eberwein sagt, die Karteikarte der calla dürfte versehentlich mitgerutscht sein.

Rätsel um Klagenfurter Kuriositätengarten
In den Unterlagen befinden sich aber auch für Klagenfurt interessante Anmerkungen. So wird darin eine calla aegyptiaca erwähnt, die heute zur Gattung der Zantedeschia gehört. „Es wird angegeben, dass sie in Klagenfurt in einem Kuriositätengarten kultiviert wurde“, sagt der Pflanzenexperte. Wo sich dieser genau befand ist nicht überliefert.
Es wurden auch Karteikarten mit Arzneipflanzen gefunden, die aus einem Apothekergarten stammen. „Wir wissen aber heute noch nicht, wo um 1783 in Klagenfurt ein Apothekergarten war. Wir haben handschriftliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit, dass es exotische Pflanzen und Kuriositäten bereits in Klagenfurt in Kultur gab. Wir wissen, dass die Klagenfurter zu dieser Zeit bereits wirklich gute gärtnerische Kenntnisse hatten, um diese Pflanzen auch kultivieren zu können.“ Zudem weiß man, dass es damals ein Netz zum Erwerb und Tauschen dieser Pflanzen gab.

Viele Informationen aussortiert
In den mehr als 60 wiedergefundenen Karteikarten sind einige Pflanzen zu finden, die nicht in Kärnten heimisch sind, aber damals in Gärten wuchsen und wahrscheinlich für Wulfen interessant waren. Man nimmt an, dass sie von seinen Nachfolgern aussortiert wurden, da sie nicht entscheidend für Kärntens Flora waren. Laut Eberwein zählen dazu Arznei- und Heilpflanzen, wie zum Beispiel eine stachys traetica aus Kreta. „Sie kommt in Kärnten nicht vor. Andere Karteikarten dürften aber mitgerutscht sein – zum Beispiel jene über die Hainbuche, die Birke oder über mache Weidenarten. Sicher auch unbrauchbar eine Karteikarte über die Brombeeren. Er schreibt dazu nur, dass sie von Kärnten bis nach Triest vorkommen. Das wurde offensichtlich als zu ungenau angesehen.“

Einblicke in Forscheralltag von damals
Interessant sind auch fünf Briefe, die das Kärntner Landesmuseum ebenfalls erwarb. Sie geben Einblicke in das wissenschaftliche Arbeiten von damals, erklärt der Botaniker: „Sie umfassen botanische Ideen und Fragestellungen, aber auch Informationen dazu, wie damals publiziert, diskutiert und korrespondiert wurde. Das sind hochinteressante, wertvolle Zeitdokumente.“
Ein Brief darunter ist an den berühmten Botaniker Jacquin in Wien gerichtet. Wulfen und ihn verband eine besondere Freundschaft, denn er war es, der die Wulfenia nach Wulfen benannte. Dieser Brief ist mit 20. Mai 1790 datiert und es geht darin um Steinbruchgewächse. Laut Eberwein handelt es sich dabei fast um eine wissenschaftliche Abhandlung, die sehr umfangreich ist. Sie ermöglicht das Verständnis von Pflanzensippen zur damaligen Zeit.

Mithilfe aus der Bevölkerung gefragt
Die Dokumente sind in Latein und Französisch verfasst, alles konnte jedoch noch nicht entziffert und übersetzt werden. Roland Eberwein bittet um Mithilfe aus der Bevölkerung: „Citizen Science ist heute in aller Munde. Aus diesem Grund haben wir alle Wulfen-Handschriften digitalisiert. Sie sind auf der Homepage des Landesmuseum Kärnten im Bereich der Botanik abrufbar.“ Alle Transkriptionen und Übersetzungen der Wulfen-Dokumente sind herzlich willkommen.

red, kaernten.ORF.at

Den Beitrag finden Sie auch auf https://kaernten.orf.at/stories/3103297/ oder im nachstehenden pdf.

Hier finden Sie unsere aktuellen Beiträge zum Thema:
https://landesmuseum.ktn.gv.at/aktuelles?nid=89
https://landesmuseum.ktn.gv.at/aktuelles?nid=66

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