Seltene Waldsteinie wird vermehrt

Die Waldsteinie kommt nur an wenigen Plätzen dieser Erde vor. 2015 wurde ein Naturschutzprojekt ins Leben gerufen, um die Pflanze, auch Golderdbeere genannt, in Kärnten zu erhalten und zu vermehren. Dabei kamen die Wissenschaftler auf genetische Unterschiede optisch gleicher Pflanzen.

Die Dreiblatt-Waldsteinie kommt in Kärnten an drei Fundpunkten vor und zwar im Lippitzbach Graben bei Ruden, beim Siegelstein bei Lavamünd und im Feistritzgraben bei Aich/Dob nördlich von Bleiburg. Diese drei Fundorte sind von ihrer Beschaffenheit sehr ähnlich. Es handelt sich dabei um steile, enge Gräben mit hoher Luftfeuchtigkeit. Die Standorte der Waldsteinie befinden sich in der Nähe der unteren Drau und bei Bächen, die in die Drau münden und sich dort in den Schotter einschneiden.

Nur kleine Bestände gefunden
„Die Pflanze kommt dort auch nicht flächendeckend vor, sondern wirklich nur punktuell. Der größte Bestand, den wir gefunden haben, ist etwa so groß wie ein Familienhaus, also wirklich klein“, so Felix Schlatti vom Kärntner Botanikzentrum in Klagenfurt.

Der Grund, warum die Waldsteinie ein Naturschutzprojekt in Kärnten ist, ist nicht nur ihre weltweite Seltenheit, sondern auch ihr punktuelles Auftreten. Denn ein kleines Vorkommen innerhalb einer nicht geschützten Fläche in einem normalen Wald sei gefährdet. Gefahr bestehe durch die normale Nutzung des Waldes. Hingegen wäre ein größerer Bestand natürlich gegen die ganz normale Nutzung gesicherter, so Schlatti.

Zehn Vorkommen weltweit
Die Dreiblatt-Waldsteinie ist ein Rosengewächs und kommt nur an wenigen, ganz isolierten Standorten vor, „und zwar im Grenzgebiet zwischen Russland und Nordkorea. Auch in der Nähe des Baikalsees, ebenfalls in Russland, in Südosteuropa und hier in Südost-Kärnten, in Slowenien, in der Slowakei und in Rumänien. Insgesamt vielleicht an zehn Fundpunkten in diesem Raum und sonst nirgends, sie ist wirklich ganz selten“, so Schlatti.

Die Pflanze hat auch den Namen Golderdbeere bekommen, „weil die Erdbeere auch zu den Rosengewächsen gehört und ganz ähnliche Blätter hat. Sie heißt Dreiblatt-Waldsteinie, weil sie wie eine Erdbeere dreifach zusammengesetzte Blätter hat. Diese Blätter sind im Gegensatz zu einer Erdbeere nicht sommergrün, sondern wintergrün. Das heißt, man findet sie auch im Winter", so Schlatti. Sie blüht aber nicht weiß wie die Erdbeere sondern gelb.

Selten blühende Exemplare gefunden
Schlatti sagte dazu weiters: „Die Kronblätter sind gelb und auch die Staubblätter und Fruchtblätter sind gelb gefärbt. Allerdings findet man blühende Exemplare der Waldsteinie relativ selten. Wir haben damals, als wir vor fünf Jahren das erste Mal im Wölfnitzbach Graben gewesen sind, bei Ruden nur zwei blühende Exemplare gefunden“.

Die Waldsteinie zählt zu den kleineren Pflanzen, sie wird nur zehn bis 20 Zentimeter hoch. Allerdings könne sie sich vegetativ verbreiten. Sie bildet ein Kriechrizom, also Ausläufer. Damit könne sie sich in relativ kurzer Zeit über eine Fläche ausbreiten. Der Name Golderdbeere ließe die Vermutung aufkommen, dass die Waldsteinie essbar sein könnte, so Schlatti: „Das ist allerdings nicht der Fall. Dieser Name kommt von der Farbe gelbe Golderdbeere."

Nicht giftig aber trocken
Da die Beeren nicht giftig sind, könnte man sie zwar essen, aber sie sind sehr trocken und daher für den Verzehr nicht geeignet. „Es gibt bestimmt Tiere, die jetzt auch die Früchte der Waldsteinie verzehren, allerdings ist Blütenansatz und Fruchtansatz so selten, dass ich nicht sagen kann, welche, es ist wirklich extrem selten und ich habe das noch nie beobachtet“, so der Botaniker.

Botaniker sammelten Samen
2015 rief man ein Naturschutzprojekt ins Leben, um die Waldsteine zu erhalten und zu vermehren, sagte Schlatti: „Damals habe ich mit Kollegen aus Wien und Graz Samen gesammelt im Lippitzbach Graben bei Ruden und diese Samen wurden dann weiter gezogen, Pflänzchen daraus kultiviert und diese Pflänzchen dann im Jahr 2020 ausgepflanzt“.

Heuer im Frühling wurde danach gesehen, wie es den jungen Waldsteinien geht. 150 Pflänzchen wurden ausgesetzt 130, davon haben überlebt, so Schlatti. „Wir haben auch noch weitere Pflanzen ausgesetzt. Das sind in etwa 180 Pflanzen, die in der Schlucht zum bereits bestehenden Bestand jetzt auch noch wachsen.“

Verschiedene Standorte ausprobiert
Das Naturschutzprojekt Waldsteinie ist eine Kooperation zwischen dem Kärntner Landesmuseum und der ARGE Naturschutz mit dem bisherigen Verlauf ist man sehr zufrieden. „Die Pflanzen wurden insgesamt auf einer Strecke von 400 Metern ausgepflanzt, an verschiedenen Standorten, die waren mal etwas flacher, manche etwas steiler. Manche etwas schattiger, manche sonniger, manche etwas rutschiger, manche relativ fest“, so Schlatti.

So wurde dann das Naturschutz- zum Pilot- bzw. zum Forschungsprojekt, denn über die Waldsteinie weiß man bis jetzt noch sehr wenig. So habe man herausgefunden, was die Pflanze überhaupt brauche, „dass zum Beispiel die Steilheit gar nicht wichtig ist. Sie wächst auf ganz flachen oder auf ganz steilen Bereichen. Wichtig ist, dass das Material relativ fest ist, weil es sonst zu schnell abrutscht und die Pflanzen dann in den Bach rutschen und mitgetragen werden.“

Projekt auf fünf Jahre geplant
Außerdem weiß man nun, dass es besser für den Fortbestand der Pflanzen ist, wenn nicht zu viele Laubbäume in Ihrer Nähe stehen, „weil die Pflanzen vom Laub einfach verschüttet werden. Es ist aber trotzdem gelungen, genügend Standorte zu finden, sodass sich insgesamt eine ganz gute Anzahl von Pflanzen im Lippitzbach Graben entwickeln und wachsen. Zum Teil hat sie sogar heuer das erste Mal geblüht.“

Voraussichtlich soll das Projekt noch fünf Jahre laufen, schätzt Schlatti, „weil wir auch im Jahr 2022 wieder nachschauen werden, wie viele Pflanzen noch da sind, wie gesund sie sind und wie viele vielleicht zur Blüte oder auch zur Frucht gelangten." Denn die Forscher hoffen, dass die Pflanzen auch fertil werden und sich sogar noch vermehren können."

Das Naturschutzprojekt soll an den beiden anderen Standorten ebenfalls fortgesetzt werden: „Ganz wichtig ist es, dass die Bestände Form Lippitzbach Graben und vom Siegelstein oder auf der vom Feistritzbach Graben nicht vermischt werden“.

Unterschiede der Pflanzen
Die Pflanzen an den drei Standorten haben eine deutlich unterschiedliche Genetik: „Sie unterscheiden sich sogar in ihrer Anzahl an Chromosomen. Das ist wirklich ein deutlicher genetischer Unterschied." Es sei sogar in der Vergangenheit diskutiert worden, ob es sich um verschiedene Arten handle, obwohl die Pflanzen äußerlich gleich aussehen, so Schlatti. Die Waldsteinie kann im Botanischen Garten in Klagenfurt besichtigt werden.

red, kaernten.ORF.at

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