Afrikanische Pflanzen

im Botanischen Garten Klagenfurt

Echt-Aloe und Rizinus gehören zu den bekanntesten Pflanzen der Welt. Hier aber kaum bekannt sind Gummi-Akazie, Johannisbrotbaum oder Katstrauch.

Auch in Afrika gilt „gegen alles ist ein Kraut gewachsen“. Viele Heil- und Giftpflanzen wachsen im Afrikaquartier des Botanischen Gartens.
Auf dem afrikanischen Kontinent wachsen Pflanzen, die hier kaum jemand kennt, hauptsächlich von der lokalen Bevölkerung genutzt werden und oft noch nicht wissenschaftlich erforscht sind. Verteilt auf mehrere Quartiere findet sich im Botanischen Garten davon eine überraschende Vielfalt.
„Wir haben diese im Zweigquartier der Afrikanischen Pflanzen gleich beim Eingang untergebracht und außerdem in unserem sonnigsten und heißesten Bereich, dort wo die afrikanischen Wüstenpflanzen wachsen“, so Botaniker Felix Schlatti vom Kärntner Landesmuseum im Botanischen Garten Klagenfurt.

Afrikanisches Klima lässt andere Heilpflanzen gedeihen
In Afrika wachsen ganz andere Heilpflanzen als bei uns. Der Hauptgrund ist natürlich das Klima, so Schlatti: „Wir haben in Afrika viele verschiedene Klimazonen, wir haben Wüsten, wir haben Regenwälder – aber was wir fast nirgendwo haben, ist ein Winter, wie wir ihn kennen. Deswegen kommen die Pflanzen, die in Afrika heimisch sind, bei uns nicht vor, weil sie den Winter nicht aushalten würden.“
Eine afrikanische Heilpflanze, die auch in Europa angewendet wird, ist die Aloe vera. Sie stammt aus Südafrika und ist eine Rosettenpflanze, die in Wüstengebieten wächst. „Wir haben im Botanischen Garten 60 Arten dieser Gattung Aloe – also wirklich eine große Zahl – und nur eine davon ist die Aloe vera. In der Gattung Aloe gibt es auch Giftpflanzen und anderen Arten, die ebenfalls als Heilpflanzen verwendbar sind – darunter eben auch diese Aloe vera, die in Südafrika eigentlich als Abführmittel verwendet wird“, so Schlatti.

Aloe vera wurden Bitterstoffe weggezüchtet
Aloe vera Pflanzen haben einen hohen Bitterstoffgehalt. Bei Pflanzen, die man in Europa kaufen kann, wurden die Bitterstoffe allerdings weggezüchtet. „Die Pflanzen schmecken nicht mehr bitter, während Aloe vera aus der Natur extrem bitter schmeckt.“
Bekannt ist die Kap-Pelargonie: „Es ist eine von vielen Pelargonienarten, die im Südafrika heimisch sind. Diese ist bei uns in verschiedenen Medikamenten vorhanden“, sagte Schlatti. Die Wurzeln werden ausgegraben und zu Flüssigpräparaten verarbeitet. „Dann kommen sie unter dem Namen Umckaloabo in den Handel – das klingt zwar afrikanisch, ist aber ein deutscher, geschützter Markenname. Es wird bei Grippeerkrankungen verwendet, bei Erkältungskrankheiten, Kopfschmerzen oder akuten Verschleimungen.“

Johannisbrotbaum-Mehl unterstützt die Verdauung
Eine weitere afrikanische Heilpflanze ist zum Beispiel der Johannisbrotbaum oder auch Bockshörndlbaum. Er ist bei der älteren Generation vielleicht noch im Gedächtnis, „weil er früher auch bei uns als Nahrungspflanze im Handel war. Der Bockshörndlbaum ist ein Schmetterlingsblütler, hat also im Prinzip Hülsenfrüchte – außen ist eine fleischige Hülle und innen sind Kerne. Diese fleischige Hülle kann man trocknen und ein Mehl daraus mahlen, das man essen kann. Der Heilpflanzenteil sind eigentlich die Samen. Daraus kann man ebenfalls ein Mehl mahlen, das Johannisbrotkernmehl, das sehr positive Eigenschaften auf die Verdauung hat.“
Das ursprüngliche Heimatgebiet des Johannisbrotbaumes ist Ostafrika. „Von dort hat ihn der Mensch bei seiner Wanderung mitgenommen. Das Karobe-Mehl, das man aus den Früchten des Johannisbrotbaums gewinnt, wurde und wird im Mittelmeerraum angebaut und von dort nach Europa gebracht – auch schon vor 100 Jahren“, sagte Schlatti.

Lavendelbaum – Helfer gegen Nasenbluten
Die Wurzeln des Lavendelbaumes können abgekocht und gegen Nasenbluten verwendet werden. „Es ist ein in Südafrika weit verbreiteter Zierbaum. Auch dort hat man vergessen, dass die Pflanze bei naturnäheren Völkern als Heilpflanze in Verwendung stand und steht.“

Auch heilende Essigbaum-Arten gibt es
Weniger bekannt ist, dass der Essigbaum der Gesundheit förderlich sein kann. Im Botanischen Garten gibt es eine Sammlung von Essigbäumen, die alle aus Südafrika stammen: „Einige von diesen Essigbäumen sind auch Heilpflanzen, da gibt es also auch einige, die von der lokalen Bevölkerung gegen verschiedenste Gebrechen genutzt werden – von Problemen im Verdauungsbereich, bis hin zur Kräftigung des Körpers. Ein Beispiel wäre die Verbesserung des Blutes, zur Anreicherung der Roten Blutkörperchen. Das sind ganz spannende Pflanzen, die eben zu diesem Zweck eingesetzt werden. Die Wissenschaft hat es noch nicht erforscht. Man weiß also noch nicht, ob etwas herauskäme.“

Besonders giftig, besonders heilend: Rizinus
Manchmal ist der Übergang von Heil- zu Giftplanzen etwas verschwommen, wie zum Beispiel bei der Aloe Vera Pflanze. Hier ist das Gift zugleich jener Stoff, der auch abführend wirkt – nicht so bei der Rizinuspflanze. „Man kennt vor allem das Rizinusöl. Rizinus ist eine sehr starke Giftpflanze. Die Giftstoffe sind aber nicht zugleich die heilenden Stoffe, hier muss man trennen. Rizinus enthält das Rizinusöl und den Giftstoff Rizin – das sind unterschiedliche Stoffe.“ Deshalb wird nur das Rizinusöl als Abführmittel genommen. Die Rizinuspflanze stammt ursprünglich aus Nordost-Afrika.

Hundsgiftgewächse für afrikanische Pfeilgifte
Dann gibt es aber auch noch extrem giftige Pflanzen, die ausschließlich von der afrikanischen Bevölkerung für äußere Anwendungen genutzt werden, zum Beispiel bei Ekzemen, sagte Schlatti: „Oder die auch als Pfeilgifte verwendet werden, weil sie so giftig sind. Man kennt Pfeilgifte sonst eher aus Südamerika und denkt hier an Pfeilgiftfrösche. In Afrika sind es aber Pflanzen, die zur Verwendung von Pfeilgiften verwendet werden. Wir haben im Botanischen Garten ein dickes Buch mit über 1.000 Seiten über als Pfeilgifte verarbeitete Pflanzen.“
Die wichtigsten davon kommen alle aus der Familie der Hundsgiftgewächse. „Darunter die Strophantus-Lianen, das sind die Früchte davon. Das Schöngift ist ein Strauch mit großen, immergrünen Blättern, und die Wüstenrose“. Diese Pflanze blüht derzeit im Botanischen Garten gerade wunderbar purpurrot, ist aber auch ein Flaschenbaum mit einem weißen, hochgiftigen Milchsaft, der vor allem in Westafrika als Pfeilgift verwendet wird.

red, kaernten.ORF.at

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