Erforschung von Schwebfliegen

Schwebfliegen, auch Steh- oder Schwirrfliegen genannt, werden auf dem Dobratsch gefangen und erforscht.

Man weiß nur wenig über diese Insekten, von denen es über 6.000 Arten gibt. Die Tiere sind als Bestäuber und natürliche Schädlingsbekämpfer sehr nützlich.

Ihr Aussehen ist dem einer Wespe ähnlich und ihr Körper schwarz-gelb gestreift. Er ist aber etwas zarter als der der Wespen. Damit kann sie ihre Feinde täuschen, sagte Zoologe Helge Heimburg vom Kärntner Landesmuseum. Beim Schwirrflug, dem Stehen in der Luft, bewegen Schwebfliegen ihre Flügel mit bis zu 300 Schlägen pro Sekunde. Das kostet sie aufgrund der hohen Muskelleistung viel Kraft und ist ihr Erkennungsmerkmal.

Rund 200 Arten allein in Kärnten

Von den Schwebfliegen gibt es viele Arten, sagte Heimburg: „Weltweit gibt es 6.000 Arten, in Österreich ungefähr 419 Arten, in Kärnten sind es um die 200 Arten. Man muss sagen, dass noch nicht alle Lebensräume beprobt waren und nicht lange genug beprobt hat. Da wird man noch einige Arten finden.“

Um mehr über Schwebfliegen und andere Fliegenarten, die in Kärnten leben, zu erfahren, wurde Helge Heimburg mit der Forschung betraut. Es sei der neue Schwerpunkt am Landesmuseum neben den Schmetterlingen von Christian Wieser. Diese Fliegen seien spannend, weil man extrem wenig wisse und sich die Forschung auszahle. Aus diesem Grund wurde heuer auf dem Dobratsch ein Monitoring eingerichtet: „Wir schauen uns gezielt an, welche Fluginsekten mit Schwerpunkt Fliegen und Schwebfliegen auf dem Dobratsch vorkommen. Langzeitmontoring bedeutet, dass wir uns über mehrere Jahre anschauen, welche Tiere in welcher Stückzahl vorkommen.“

Fallen werden einmal pro Monat geleert

Die aufgestellten Netzfallen sind einen halben Quadratmeter groß und die Öffnung, wo die Insekten hineinfliegen können, beträgt sechs Zentimeter. Im Netz werden sie in einem Behälter aufgefangen, so Heimburg. Von Frühjahr bist Herbst bleiben die Fallen auf dem Berg. Die Falle wird in der Regel ein Mal pro Monat geleert. Dann werden die Käfer und Schmetterlinge aussortiert, die sich auch hinein verirrten, bis nur die Fliegen und in späterer Folge die Schwebfliegen übrig bleiben. Danach werden die Arten bestimmt und in eine Datenbank aufgenommen. Der Naturpark Dobratsch bekommt dann später eine Liste darüber. Der Rest werde konserviert und bleibe in der Sammlung im Landesmuseum.

Monitoring sollte länger dauern

Wie viele Jahre diese Beobachtung dauern soll, ist noch nicht bekannt. Nach einer knappen Saison gibt es derzeit noch keine aussagekräftigen Daten. Wichtig wäre diese Datenerhebung über längere Zeit, so Heimburg: „Das wäre auf jeden Fall sinnvoll, dass man das Monitoring so lange wie möglich aufrecht erhält.“ Wie bei allen Tiergruppen gebe es Ausnahmen wie ganz bepelzte Tiere, es gebe schwarze, braune oder goldglänzende Tiere, so Heimburg. Der Körper der Schwebfliegen gliedert sich in Kopf, Brust und Hinterteil. An der Brust setzen sechs Beine an. Auffallend sei es, dass der Körper keine Borsten trage wie andere Fliegen. Manche sehen wie Stachelschweine aus, so Heimburg. Selbst die Ausnahmen haben nur feine Härchen, somit ist die Schwebfliege meist nackt.

Schwebfliegen haben kurze Antennen

Der Kopf sieht ein wenig anders aus als der anderer Fliegen. Die Schwebfliege hat zwar auch zwei große Augen, aber auf der Stirn sitzen zwei Fühler, die etwas anders aussehen als bei Bienen oder Wespen: „Wespen oder Bienen haben lange Antennen, Schwebfliegen haben kurz Antennen, die sich in drei Teilstücke gliedern. Auf dem letzten Teilstück befindet sich eine Sinnesborste für Gerüche.“

Eine Schwebfliege kann fast überall existieren, vom Tal bis in den letzten Bergwinkeln trifft man sie, auch im eigenen Garten: „Schwebfliegen sitzen auf Blumen oder schwirren in der Luft und sind omnipräsent, es gibt kaum Lebensräume ohne Schwebfliegen.“ Dass sie bei Blumen herumschwirren hat auch einen Grund, sagte Heimburg. "Sie sind sehr nützlich, das haben auch Erdbeerbauern erkannt. Dort werden Schwebfliegen als wichtige Bestäuber neben Bienen und Hummel eingesetzt.

Biologische Schädlingsbekämpfung

Dies ist jedoch nicht der einzige Nutzen, den sie vollbringen. Schwebfliegen fressen nämlich im Larvenstadium Blattläuse: „Sie können dadurch zur biologischen Schädlingsbekämpfung beitragen.“ Feinde der Schwebfliegen sind vor allem Vögel oder Spinnentiere. Das sei aber der Kreislauf in der Natur, sagte Heimburg. Sie wirken dem entgegegen, indem sie große Populationen aufbauen. Dramatischer seinen da schon große Flächenverluste durch die Verbauungen, so der Zoologe. Schwebfliegen bilden pro Jahr zwei Generationen aus, eine im Frühling und eine im Hoch- oder Spätsommer.

red, kaernten.ORF.at


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