Schwund des Lebensraumes

Vielfalt bedroht

Die Liste gefährdeter Tierarten ist lang. Jedes Jahr verschwinden Arten, manchmal kommen auch andere hinzu.

Die Biodiversitäts-Strategie in Österreich und der EU zielt darauf ab, die Lebensvielfalt zu erhalten und den Verlust an Arten und Lebensräumen einzubremsen.

Bis 2030 soll die Biodiversität damit auf den Weg der Erholung gebracht werden, wie es von der Europäischen Kommission heißt. Tiergruppen, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, sind Insekten und Schmetterlinge sowie Vögel. Sie gelten quasi als Indikator für eine intakte oder nicht intakte Umwelt.

Kein gutes Jahr für Insekten
Zumindest das letzte Jahr 2021 war in dieser Hinsicht gar nicht so schlecht. Wenn das Wetter nicht so extrem ist sondern eher normal, wie es die Tierwelt seit Jahrhunderten gewohnt ist, dann tauchen einige Tierarten kaum auf, vor allem jene, die in der allgemeinen Wahrnehmung als wahre Plagegeister bezeichnet werden, aber natürlich auch im Kreislauf der Natur eine wichtige Rolle spielen, sagt Christian Wieser, der Leiter der Abteilung Zoologie im Landesmuseum. „Es hat wenig Wespen, wenig Gelsen und wenig Hornissen gegeben. Das bedeutet, dass das Frühjahr relativ kühl und feucht bzw. für Insekten unfreundlich war. Eigentlich ein Jahr, wie es früher üblich war, also nicht extrem warm. Dementsprechend hatte vor allem die Kleintierwelt kein optimales Jahr.“

Der Weißgraue Breiflügelspanner
Auch einige neue Arten wurden gefunden bzw. wiederentdeckt, die seit Jahrzehnten nicht mehr nachgewiesen wurden. „Zum Beispiel ein Frostspanner, der im Frühling fliegt, der sogenannte Weißgraue Breitflügelspanner (Agriopis leucophaearia), wo der letzte Fund in Kärnten aus vor 1945 stammt, ist heuer an zwei verschiedenen Punkten in Klagenfurt wieder aufgetaucht. Der wird schon dagewesen sein, er wurde halt nicht gefunden und nachgewiesen oder es hat ihm dieses Jahr wieder sehr gepasst, dass er in höherer Zahl da war“, so Wieser.

Erfreuliches und Bedenkliches
Auch aus der Vogelwelt gibt es Erfreuliches und Bedenkliches zu berichten, sagt Andreas Kleewein von Birdlife Kärnten. „Wir dürfen sagen, dass der Rotmilan wieder in Kärnten gebrütet hat mit zwei Brutpaaren. Beim Kormoran sind es mittlerweile schon acht Brutpaare. Beides sind Vogelarten, die 2020 das erste Mal in Kärnten gebrütet haben.“ Ebenso selten sei der Trauerschnäpper, von dem es heuer sogar zwei Brutpaare gab. Das sei eine erfreuliche Bilanz, so Kleewein.

Schwund des Lebensraumes
„Demgegenüber stehen aber auch Rückgänge bei der Rauch- und bei der Mehlschwalbe. Stark rückläufig sind weiterhin leider auch Feld- und Wiesenvogelarten wie die Feldlärche, das Braunkelchen und das Schwarzkelchen. Aber auch der Wachtelkönig und die Wachtel sind weiter in ihrem Bestand gesunken. Der Kiebitz steht in Kärnten sogar kurz vor dem Aussterben“, so Kleewein. Zurückzuführen ist das Auf und Ab in fast allen Fällen auf eines: „Das Problem ist der Schwund des Lebensraumes, der ist eklatant und damit gehen die Arten und Individuenzahlen zurück“, so Christian Wieser.

red, kaernten.ORF.at

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