2 Millionen Exponate aus der Geschichte

Von A bis Z, von Archäologie bis Zoologie, ist die Geschichte Kärntens gesammelt und wird erforscht: Im Wissenschaftszentrum des Landesmuseums wird die Ausstellung zur Eröffnung des neuen Rudolfinums vorbereitet.

„Wir haben das spannendste Jahrzehnt seit Bestehen des Museums“, betont Christian Wieser, der die Abteilung Zoologie leitet und stellvertretender wissenschaftlicher Geschäftsführer des Landesmuseums ist. Denn das Rudolfinum, das von 1879 bis 1883 erbaute Museum, wird generalsaniert und umgebaut. Kronprinz Rudolf setzte einst den Schlussstein und gab dem Bau seinen Namen. Im Mai 2020 wurde der Spatenstich zur umfangreichen, 13,2 Millionen Euro schweren Sanierung gefeiert. Heuer im September ist die Wiedereröffnungsausstellung geplant.

Emsig gearbeitet wird derzeit beinahe unsichtbar hinter den Kulissen im Sammlungs- & Wissenschaftszentrum. Dort im Süden der Landeshauptstadt sind mehr als zwei Millionen Exponate gesammelt. Und so ein Gedächtnis eines Landes ist nicht etwas Starres, sondern äußerst lebendig: Da wird geforscht, da werden neue Erkenntnisse gewonnen, da wird durch Restaurierung Spannendes freigelegt.

Die Ursprünge des Landesmuseums liegen im Geschichtsverein (gegründet 1844) und im Naturwissenschaftlichen Verein (1848). Das älteste Exponat zählt zu Claudia Dojens Abteilung Erdwissenschaften: Ein 230 Millionen Jahre alter versteinerter Schwimmsaurier, nach seinem Fundort Töplitschi benannt. Bleiberger Muschelmarmor, Wulfenit und vieles mehr gehören zu Dojens Forschungsfeld.

Eine Amateurfunkanlage aus den 1940ern, tausende Glasplatten, Negativstreifen und Bilder vom Fotografen Hans-Jörg Abuja, Exponate zum Leben des Freiheitskämpfers, Waffenschmugglers und Spions Johann Baptist Türk sind nur kleine Teile der Sammlung, die bei Martin Stermitz in der Abteilung Landesgeschichte angesiedelt ist.

1200 Graphiken, 300 Skulpturen, 600 Gemälde, die Landschaft und Persönlichkeiten Kärntens zeigen, verwahrt Robert Wlattnig von der Abteilung Kunstgeschichte: „Das Siebenhirter-Schwert von Millstatt war die wertvollste Zeremonienwaffe in Kärnten; es war als Leihgabe schon in Admont, Berlin, New York ...“

Während ihre Mitarbeiter mit Sandstrahlern Statuen aus Virunum reinigen, setzt Restauratorin Katharina Dolenz eine zerborstene Schale aus Teurnia zusammen: „Das ist wie Weihnachten, als würde ich ein Geschenk auspacken!“

„Unsere Sammlungsstrategie verlangt einen Kärntenbezug und saubere Herkunft; natürlich ist es auch immer eine Kostenfrage“, erklärt Wieser, der allein über Schmetterlinge in Kärnten eine halbe Million Datensätze hat und Herr über eine Dreiviertelmillion toter Insekten ist. „Wir haben 30.000 Tierarten in Kärnten. Wir wissen gar nicht, was wir verlieren, weil früher nichts dokumentiert wurde. Die Zoologie arbeitet also für die Zukunft. Die Archäologie stellt Thesen über die Vergangenheit auf“, spannt Wieser den Bogen der vielfältigen Forschungsfelder im Landesmuseum. Denn dort finden auch die Ur- und Frühgeschichte, die römische Archäologie, die Botanik und die Volkskunde Platz. Ein Türschild verweist auf die Musikaliensammlung. Lukas Steger ist Herr über 150.000 Medieneinheiten. Das älteste Buch stammt aus 1492. In den hohen, langen Regalen der Landesbibliothek stehen Bücher über Wallfahrten, Aberglaube, Erziehung, Rassen, Flora, Pharmazie, Grimms Wörterbuch, Gemeindezeitungen ...

Lauter ist es bei Gabriel Logar, denn in der Haus- und Museumstechnik läuft immer wieder die Kreissäge, um Tische und Vitrinen für die Ausstellungen herzustellen. Und die braucht nicht nur das Haupthaus Rudolfinum, sondern auch die Außenstellen: Wappensaal und Botanikzentrum in Klagenfurt, Freilichtmuseum in Maria Saal, Archäologischer Park Magdalensberg, Amphitheater Virunum, Herzogstuhl, Römermuseum Teurnia bei Spittal.

Redaktion Kronen Zeitung, Christina Natascha Kogler



2 Millionen Exponate aus der Geschichte